
Geboren am 31.10.1963 leider mit einem Zipfel zwischen den Beinen, so dass die Hebamme mich fälschlicher Weise als männlich einstufte.
Mit zunehmendem Alter so etwa 7 Jahren, wurde mir das Anderssein immer bewusster, aber ich konnte es nicht einordnen. Ich wurde immer verschlossener und habe zunehmend mehr Schwierigkeiten gehabt, Freunde (Kinder zum Spielen) zu finden.
Mit 12 Jahren habe ich dann immer mehr gemerkt, dass ich mich viel mehr für die Aktivitäten der Mädchen als die der Jungen interessierte. Ich hätte lieber mit ihnen am Rand des Spielfeldes gesessen und den Jungs beim Fußballspielen zugeschaut und nicht selber auf dem Platz gestanden.
In den Wahlfächern der Schule, habe ich mir immer die Mädchenfächer ausgewählt, was mir einige Schwierigkeiten mit den Mitschülern einbrachte. Ich habe zum Beispiel: Handarbeiten, Kochen, Hauswirtschaft und Bücherei belegt.
Mit 16 Jahren habe ich mich dann das erste Mal so richtig verliebt - in ein Mädchen. Ich dachte, nun stimmt doch alles, aber weit gefehlt.
Mit 18 Jahren wurde es dann spannend. Ich lernte meine Frau kennen, mit der ich heute noch zusammen bin. Wir haben 10 Jahre später geheiratet und es nie bereut.

Dass ich zwischendurch immer wieder mal anfing, mir Damenwäsche und Oberbekleidung zu kaufen, habe ich meiner Frau aber nie erzählt. Nach einer Weile des versteckten Anziehens der Sachen, dachte ich dann immer “Nein, das kannst du nicht machen“ und ich habe die Sachen wieder in den Müll geworfen.
Nur ging das aber auch nicht lange gut, denn es fehlte mir dieses „Frau-sein“ sehr. Also ging ich wieder in den Laden und kaufte alles neu.

Das Ganze ging ein paar Jahre so hin und her, bis ich einen Job als Elektroinstallateur im Ausland annahm und nach Dänemark ging. Hier konnte ich "meine Frau" in der Woche ausleben und am Wochenende spielte ich wieder den Mann für meine Frau.
Das ging etwa zwei Jahre so, bis ich wegen der Finanzkrise wieder nach Deutschland zurück musste, da die Firma in Dänemark geschlossen wurde. Um hier weiterhin "meine Frau" ausleben zu können, suchte ich mir einen Job auf Montage.
Meist war ich 14 Tage unterwegs und dann ein Wochenende zuhause. Auf Montage konnte ich in meiner Freizeit wieder "Frau" sein und so habe ich gute fünf Jahre gelebt.
Nun kam der Schicksalsschlag. Ich bin mit einer verschleppten Gallenblasenentzündung ins Krankenhaus gekommen. Nach der Not-OP hat meine Frau mich gebeten, wieder in Hamburg zu arbeiten, weil man ja sieht, wie schnell es vorbei sein könnte.
Also habe ich meiner Frau den Gefallen getan und habe mir einen Job in Hamburg gesucht. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht darüber nachgedacht, was das für mich bedeutet.
So kam es, wie es kommen musste. Ich habe es nicht sehr lange ausgehalten und dachte ich werde verrückt - ich konnte nicht mehr "Frau sein". Also habe ich mich getraut und meiner Frau gebeichtet, was ich empfinde und dass ich von nun an als Frau leben möchte.
Nach etwa 1 Woche sagte sie mir, dass sie zwar sehr enttäuscht wäre, weil ich ihr das so lange verheimlicht habe, und sie das als einen sehr großen Vertrauensbruch ansieht. Aber da es sich hier auch um etwas handelt, was ich selber immer wieder in Frage gestellt hätte, verzeiht sie mir.
Nach meinem Outing bei meiner Frau ging es dann zu meinen Eltern, die das Ganze auch sehr positiv aufnahmen. Danach outete ich mich auf der Arbeit, bei unseren Freunden sowie der restlichen Familie.
Zu meiner Überraschung habe ich nur positive Reaktionen erhalten. Was bis in die heutige Zeit anhält. Seit meinem Outing bei meiner Frau 02.2014 lebe ich nun nur noch als Frau.

In 11.2014 begann ich meinen einjährigen Alltagstest mit Begleitung eines Psychiaters (Vorschrift des Gesetzgebers). In 02.2015 habe ich dann mit der Hormon-Ersatz-Therapie angefangen und nehme seitdem Hormone in Abstimmung mit meiner Endokrinologin.
Bis 06.2015 arbeitete ich als Elektroinstallateurin. Die zweijährige Umschulung zur Fusspflegerin mit medizinischem Hintergrund begann in 04.2016 in der HBK Berufsschule für Kosmetik und bestand am 20.03.2018 meine Prüfung zur "Staatlich anerkannten Fußpflegerin".
Am 10.07.2018 eröffnete ich mein medizinisches Fusspfleginstitut und freue mich, Sie hier persönlich begrüssen zu können.
Vielen Dank für Ihr Interesse und bis gleich
Alexandra Schnoor-Swiderski